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Autorenprofil

Homepage: http://stadtschaften.wordpress.com

Geburtsjahr:
1963

Geburtsorte:
Buchloe • Usingen • Salamanca • Frankfurt • Buenos Aires • Besozzo • Bath • London • Techentin • Hamburg • ...

Beruf:
Dichter, Suchender, Übersetzer, Velomatiker, Sprachlernender, Jobber (fürs Überleben), Schreibender, Dingens eben ...

Interview

Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
In Ermangelung der eigenen Klar- und Greifbarkeit trifft mensch die Anderen. Die fühlen sich auch viel klarer und toller an und im Rückblick will mensch sie auch allesamt getroffen haben, denn sonst wär mensch ja nicht der Mensch, der mensch ist. So treffe ich auf dem Umweg zu mir eigentlich zwangsläufig die für einen Menschen wie mich interessantesten Personen.

Welcher Autor hat Sie wie beeinflusst?
A. Schmidt, e.e. cummings, A. Baricco, I. Sinclair, I. Calvino, W. Schwab, M. Unamuno, T.S. Eliot, W. Kirsten, K. Ph. Moritz, W.G. Sebald, F. O’Brien, L. Pirandello, A. Artaud, F. Villon, H. Heine, L. Paci, R.M. Rilke, J. Winterson, unzählige, die durch mein (Namens)-Gedächtnis schlüpfen, alle auf der Suche nach Schlüsselsätzen, Zauberworten und der Magie des Verrückens – und das ein Leben lang.

Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
siehe oben

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
... zugegeben als vorvergessner Autor ist die Zukunft der Literatur so was wie die Gretchenfrage. Und ist da meine Zukunft mit drin? Und bin ich überhaupt Literatur? Mir fehlen die Priester, Seher, Druiden, Verrückten, ganz gleichgültig, unter welchem Namen, es gibt sie, natürlich sind sie da, sind immer da gewesen, werden immer da sein, aber im Flaggschiffbereich geht es immer mehr um Stars und Sternchen und die werden mit aller Macht unters Volk gebracht und überall ausgeschrien und in die Top-ten und dann Taschenbuch, Vermarktungsstrategien, Werbetrommeln, Kampflesereisen, hip! muss er/sie sein (denn am Ende zählen die Verkaufszahlen, wer redet denn da noch von dem Buch) und Schnarchnasen, die nur dies unverkäufliche Zeuch schreiben, (und dann ein belehrender Konjunktiv) ... Solang der Markt boomt, boomt der Markt. Wenn er dann nicht mehr boomt, wird halt was andres verkauft (Selbstdarstellungsportale z.B.). Der Markt boomt also immer bzw. muss immer boomen, voilà: die Weisheit und Tiefe des Hilfsverbs! Zum Glück passiert an den Gestaden der Unbekannten, Vergessenen, der Selbstausbeuter und Eigenbrötler etwas. Büchlein mit so dünnen Auflagen, dass der Wind hindurchpfeift, Verlage mit Büros so klein wie Briefkästen, an die „heilige Schrift“ glaubende Agenten. Die Literatur ist die letzte Bastion des magischen Denkens. Stirbt dieser Teil der Literatur werden die Sätze zu Pleuel und Stangen, zur mechanisch scheinbar einwandfreien Funktion einer Kommunikationsmaschine und hören auf, die betörenden Schlangen zu sein, die sich so voller Wunder in unser Hirn und Herz zu winden verstehen. Die Zukunft der Literatur ist die Literatur und das nicht-Aufgeben, Literatur zu wollen (ob Leserin/Leser/Autor/Autorin – vollkommen egal).

Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
Der ganze mut, die augen morgens zu öffnen beinhaltet den ganzen mut, sie abends zu schließen.

Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Immer häufiger begegne ich Informationsjunkies, Leuten, die einfach alles lesen müssen. Lesen also nicht mehr als sinnliches Erlebnis: Lesen muss „einfach“ sein. Im Internet sind zwar Spuren von Literatur zu finden, aber das Gros des Geschriebenen ist da, um auf verfüg- und brauchbare Daten abgescannt zu werden. Das Schriftliche wird zur Vorbedingung der Suchmaschine. Internet und Computer sind „so was“ von täglich benutzt! So selbstverständlich! Für alles gibt es eine Platt-Form, noch für den letzten Dreck, aber eben auch für Literatur. Der Online-Dichter ist in der Mache, die gläserne Autorin ... gibt schon unglaublich idiotische Sachen. Das Internet ist wie so vieles, das seit Mitte des letzten Jahrhunderts erfunden worden ist, Versprechung und Irrsinn in einem. Ungeheure Möglichkeiten tun sich auf und gleichzeitig ist es in seiner Konsequenz für unsre Gesellschaften und die Entwicklung der Menschen unüberschaubar. Letzterem Aspekt werden wir eigentlich immer weniger „gerecht“ – und das schon seit Jahrzehnten. (Unter anderem, weil wir uns zu Nutzern/Nutzerinnen machen lassen ... da gibt es einen ganz gefährlichen Schritt von das-Bedürfnis-erwacht-in-mir zu das-Bedürfnis-wird-in-mir-geweckt ... und – das nur als nachgeschobener Nebengedanke – weil wir im Grunde viel zu langsam für die von uns losgetretenen Vorgänge, Technologien sein könnten.) Es gibt für mich so ein paar Urerfindungen wie das Rad oder das gedruckte Buch (ob auch der Computer, das werden andere Generationen entscheiden, glaube ich). Ein einfaches Fahrrad oder ein Buch widersetzen sich einer Übertechnologisierung. Ein Buch ist für mich die Urform, das Urgefäß für Literatur. Ein Fahrrad – vielleicht wundern sich manche, warum ich immer wieder auf diesem Fahrrad rumreite, aber ich finde, es wird viel zu wenig über Fahrräder verbreitet – verkörpert für mich eine beeindruckend einfache, geniale und respektvolle Art der Fortbewegung. An beiden Dingen kann zwar marginal immer wieder etwas verbessert oder in besserem Glauben verändert werden, aber an sich ist alles schon da. Der Sog des Bildschirms sei unbestritten, auch für lesende Menschen. Mit Laptop ins Bett und mit dem Iphone aufs Klo. Ungeahnte, weil noch lange nicht in voller Kapazität erforschte, Möglichkeiten brummen auf bzw. unter unsren Schreibtischen oder dem jeweiligen Schoß. Die im Schmetterlingsnetz des Buches gefangenen Sätze jedoch bergen einen Wert, den das neue Medium Internet und der Computer und die ganze, damit verbundene, Technologie überhaupt nicht bieten können: Geduld & Zeit. Und da beginne ich voll auf mein magisches Denken zu setzen: Das Aufschlagen eines Buches kommt der Suche nach einem Zauberspruch gleich, das Aufschlagen eines Notebooks der Suche nach einer Bedienungsanleitung. Dieses universell einsetzbar elektronische Gerät zur automatischen Verarbeitung von Daten lässt uns chatn, skypen, blogn, surfn, googlen, youtuben, secondlifen ... aber lesen ... richtig sich versenkend lesen?

Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Es äußert sich durch mich hindurch eine natur ein wesen ein so-in-der-welt-sein wie es ich ist.

Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Lieber jetzt bemerken als später erinnern (das mit dem Erinnern kommt dann von alleine).

Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Immer wieder jemand andres.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Einfach noch mal das rückwärts (er)leben, was ich bisher schon gelebt und erfahren habe, und vielleicht von daher dann den Tod mit der Sicherheit des aus dem Nichts kommenden als Weggeburt begreifen können, als konsequente Auflösung in ein alles.

Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Da schreibe und schreibe und schreibe und lese und lese und lese ich dran.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingsbuch:
In mir sträubt sich etwas gegen Lieblingsdas und beste Dies. Mich nehmen alle mit auf die Reise. Da gibt es natürlich einige, bei denen schlaf ich unterwegs ein. Andere beginnen schwerfällig und „laufen“ sich ein. Oder umgekehrt. Und manche packen mich gleich beim Schlafittchen ... ich schlag die erste Seite auf und allein, dass ich das Buch aufschlage und dass dort etwas geschrieben steht, kommt einer Liebeserklärung gleich.

Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Sei’s drum. Im Moment ein Wiedersehen mit Einer flog übers Kuckucksnest und Cinema Paradiso. Himmel über Berlin (lange nicht mehr gesehen) und nächster Anwärter Gegen die Wand (noch nicht gesehen). Dann erinnere ich mich noch an Rotz & Wasser bei Goodbye Lenin, den ich London (sozusagen im „Exil) sah. Civilisation, eine BBC-Serie zur kulturellen Menschwerdung aus den Anfängen des Farbfernsehens. Und so mancher „Liebling“ bleibt immer zu entdecken!

Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
Wie ein Vogel fliegt leben.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
Ich nenne 1 Zitat, weil ich vor Kurzem gerade wieder zufällig darauf gestoßen bin: remember you have to die remember you have to live (J. Winterson – Lighthousekeeping)